Gutes tun, tut gut: Mit dem Dampfkochtopf unterwegs Richtung Zukunft

Zur Unterstützung der Geflüchteten können wir nicht alles tun, was getan werden müsste. Deshalb suchen wir weiterhin Verstärkung. Auch ein paar wenige Stunden in der Woche können helfen. Die Hilfe lohnt sich – nicht nur für die Geflüchteten, sondern auch für die Helferinnen und Helfer. Es kommt viel Dankbarkeit zurück, es entstehen mitunter freundschaftliche Kontakte.

Die Geflüchteten brauchen uns, um in unserer Mitte dauerhaft ihren Platz zu finden. Es gibt eine Menge zu tun – und das wird sich so bald auch nicht ändern. Aber: Gutes tun kann gut tun. Das ist inzwischen die Erfahrung vieler, die einen Teil ihrer freien Zeit dem Engagement in der Initiative schenken.

Zum Ausklang des Jahres schildern wir einige Beispiele aus unserem Alltag mit den Geflüchteten.


Vor mehr als einem Jahr kam S. in die Sprechstunde der Initiative „Willkommen in Brück“ und wollte die „Frau mit den roten Haaren“ sprechen. Sein Anliegen: Er wollte seine Familie aus dem kriegszerstörten Afghanistan nach Deutschland holen. Ich kannte ihn gar nicht, aber einer der Albaner, die auch von mir betreut werden, hatte ihm erzählt, dass ich Nerven wie Drahtseile und einen langen Atem habe. Beides benötigt man wirklich für die Realisation einer Familienzusammenführung!

Die bürokratischen Anforderungen sind vielfältig und nicht immer nachvollziehbar: Alleine die notwendigen Antragspapiere für fünf Kinder und die Ehefrau auszufüllen, hat mich schier um den Verstand gebracht. All diese Fragen! Wer erinnert sich in einem Land, in dem seit 40 Jahren der Krieg tobt, schon an den Todestag der Großmutter? Und warum soll eine Familie aus dem Grenzgebiet zu Pakistan drei Menschen aus der afghanischen Hauptstadt Kabul benennen können, die ihre Identität bezeugen?

Der Papierkrieg ist sicher ärgerlich, aber der richtige Krieg wurde zum wirklichen Hindernis. Erst war die deutsche Botschaft in Kabul wegen eines Bombenanschlags geschlossen. Nun hieß es, der Asylantrag müsse im indischen New Delhi gestellt werden, 2000 Kilometer entfernt vom Heimatdorf der Familie. Dann ging es aber doch – im pakistanischen Islamabad. Dort kam es allerdings zu bewaffneten Aufständen, just in den Tagen, als sich die Familie auf den Weg zur deutschen Botschaft machte. Schlaflose Nächte für den Vater (und für mich).

Das Verfahren kam zunächst nur schleppend in die Gänge, bis im August plötzlich die Nachricht kam, dass die Visa für Deutschland erteilt werden. Hektische Recherchen nach den günstigsten Flugverbindungen und -preisen wurden gestartet, über Finanzierungsmöglichkeiten und Reisekostenzuschüsse musste nachgedacht werden. Es wurde ernst. Und plötzlich wurde auch dem Familienvater klar: Der Stress fängt jetzt erst an. Wo sollte die Familie bleiben? Wo findet man wenigstens vorübergehend eine Unterkunft für sieben Personen? Will die Frau mit den Kindern Familienasyl beantragen? Werden sie sich als Familie krankenversichern können? Woher bekommen sie eine Steuernummer und können sie das Kindergeld ohne diese Steuernummer beantragen? Können die Kinder sofort eingeschult werden? Fragen über Fragen.

Nicht alle sind geklärt, als der Tag der Ankunft vor der Tür steht. Flughafen Frankfurt: Das Flugzeug hat wegen des ersten Herbststurmes zwei Stunden Verspätung. Die Spannung steigt bei uns, dem „Empfangskommittee“, das mit einem gemieteten Kleintransporter die Neuankömmlinge erwartet. Wir müssen länger warten, denn die Großfamilie steckt 1 1/2 Stunden im Zoll fest. Später werden wir die Gründe dafür verstehen. Nach und nach kommen sie aus dem Zollbereich – mit riesigen unförmige Gepäckstücken. Uns wird klar: Das passt nicht alles in unseren Siebensitzer. Freunde der Familie aus der Nähe Frankfurts, die ebenfalls mit uns gekommen sind, helfen spontan: „Kein Problem, wir nehmen alles mit, was sie jetzt nicht unbedingt brauchen.“ Also wird umgepackt. Es kommen die erstaunlichsten Dinge zum Vorschein: Afghanische Dampfdruck-Töpfe aus Blech, 30 Kilogramm Mandeln und Cashewnüsse und vieles mehr, dessen Sinn und Zweck uns nicht immer einleuchtet. Als nach langen Diskussionen die Dinge verteilt sind, machen sich alle auf den Rückweg nach Köln.

Jetzt ist es endgültig zu spät für das am Morgen vorbereitete Begrüßungsessen. Das muss auf den nächsten Tag verschoben werden und wird dann alle Beteiligten für den anstehenden Ämtermarathon der nächsten Tage stärken. Zum Glück bekommt die Familie Unterstützung aus der Initiative „Willkommen in Brück“ – der Weg in die Integration ist mühsam, voller Hindernisse und ohne Ehrenamtler überhaupt nicht zu bewältigen.

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