Gutes tun, tut gut: Fußball, Kochen und Knigge

Zur Unterstützung der Geflüchteten können wir nicht alles tun, was getan werden müsste. Deshalb suchen wir weiterhin Verstärkung. Auch ein paar wenige Stunden in der Woche können helfen. Die Hilfe lohnt sich – nicht nur für die Geflüchteten, sondern auch für die Helferinnen und Helfer. Es kommt viel Dankbarkeit zurück, es entstehen mitunter freundschaftliche Kontakte.

Die Geflüchteten brauchen uns, um in unserer Mitte dauerhaft ihren Platz zu finden. Es gibt eine Menge zu tun – und das wird sich so bald auch nicht ändern. Aber: Gutes tun kann gut tun. Das ist inzwischen die Erfahrung vieler, die einen Teil ihrer freien Zeit dem Engagement in der Initiative schenken.

Bis Weihnachten schildern wir einige Beispiele aus unserem Alltag mit den Geflüchteten.


Meine Französischkenntnisse waren der Grund für den ersten Kontakt zu S., einem jungen Mann aus Guinea, der nach seiner Ankunft in Brück in der Flehburg untergebracht war. Damals gab es wenig französisch sprechende Helfer. S ist zu diesem Zeitpunkt gerade einmal 18 Jahre alt – laut Papieren. Er selbst sagt, er ist erst 17 und – wie der größte Teil aller Flüchtlinge, die ohne Papiere gekommen sind – laut seinem Ausweis am 1. Januar geboren. Das ist eine bürokratische Vereinfachung, ein exaktes Geburtsdatum gibt es nicht. Das gibt dem guten Deutschen, der alles geregelt weiß, schon zu denken.

S. spielt leidenschaftlich gerne Fußball und träumt von einer Profikarriere, von netten Freunden, einer Wohnung. Er träumt aber auch immer noch von den grauenhaften Erlebnissen, die er auf seiner fast einjährigen Flucht erlebt hat. Manchmal erzählt er davon. Am Ende stehen dann meistens Tränen bei Zuhörer und Erzähler. Es ist schrecklich anzuhören, was ein junger Mensch aushalten musste um hierher zu kommen. Zum Glück ist S. noch jung und er erhält sehr gute Unterstützung. Auch eine Therapie kann er besuchen. Und dann ist da noch der Fußballverein, bei dem er spielt. Auch hier findet S. Hilfe und Halt und Mut.

Inzwischen treffen wir uns regelmäßig zum Erzählen und Kochen. Manchmal gehen wir auch in ein Restaurant, was anfänglich durchaus eine Herausforderung darstellte, sowohl bei der Auswahl der Speisen für S. (er ist Moslem) als auch bei der hier üblichen Etikette. Jetzt ist das alles kein Problem mehr. S. hat seinen Knigge verinnerlicht – und ist stolz zu erkennen, wenn jemand sich nicht gut benimmt!
Heute kommt er mich als Freund besuchen und kaum mehr als Hilfesuchender. S. hat gelernt sich gut zu organisieren und weiß mittlerweile wesentlich besser als ich, welches Amt für welches Problem zuständig ist. Oder mit welcher Bahn man zu einem bestimmten Ziel in der Stadt kommt. Er führt ein weitgehend selbstständiges Leben in einer eigenen Wohnung und macht eine Ausbildung.

Kurz: Das Motto „Hilf mir, es selbst zu tun!“ ist voll aufgegangen.

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