Grundsatzpapier: Ziele und Grundlagen unserer Arbeit

In der Initiative „Willkommen in Brück“ haben sich Menschen aus Köln-Brück/Neubrück und anderen Stadtteilen zusammen gefunden. Sie engagieren sich freiwillig und ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Alle Mitglieder haben die gleichen Rechte. Für die Mitarbeit gibt es keine besonderen Bedingungen oder Voraussetzungen außer der Bereitschaft, Zeit für die verschiedenen Aufgaben mitzubringen, die von der Initiative wahrgenommen werden. Die Mitarbeit kann ohne Angabe von Gründen beendet werden.

Die Initiative „Willkommen in Brück“ ist weder an Parteien noch an Verbände gebunden. Sie arbeitet unabhängig. Ihre Mitglieder sehen die großen gesellschaftspolitischen Herausforderungen, die sich aus dem Zuzug einer großen Zahl von Flüchtlingen nach Deutschland ergeben. Sie sind besorgt über das teilweise Versagen von Politik und Verwaltungen und den schwindenden gesellschaftlichen Konsens, Schutz bedürftigen Hilfe zuteilwerden zu lassen. Sie wollen mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement ein positives Signal setzen. Sie sind sich darin einig, dass Menschenwürde unantastbar ist und ihr Schutz im Alltag beginnt.

Die Initiative „Willkommen in Brück“ hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, entsprechend ihren Möglichkeiten Flüchtlinge in den Stadtteilen Brück/Neubrück zu unterstützen und zu begleiten. Sie übernimmt dabei auch Aufgaben, die aufgrund mangelhafter personeller Ausstattung von den zuständigen Stellen der Stadtverwaltung nicht oder nur teilweise wahrgenommen werden.

Die Initiative setzt sich dafür ein, ein offenes und konstruktives Klima des gegenseitigen Respekts zwischen alten und neuen Bürgern in den Stadtteilen zu erhalten und zu fördern. Sie arbeitet bei der Verfolgung ihrer Ziele mit anderen Initiativen in der Stadt zusammen und beteiligt sich, soweit für ihre Arbeit zweckmäßig, an Netzwerken, die dem Ziel der Flüchtlingshilfe dienen. Sie begibt sich auch in einen kritischen Dialog mit Politik und Verwaltung.

„Willkommen in Brück“ versteht sich zum einen als Willkommens-Initiative für neue Bewohner der Unterkünfte. Sie will ihnen den Start an ihrem neuen Aufenthaltsort erleichtern durch Beratung in Alltagsfragen, Unterstützung bei der Beschaffung für sie wichtiger Ausstattung des täglichen Bedarfs. Sie vermittelt wichtige hier geltende Regeln des Zusammenlebens. Sie fördert die ersten Schritte in der neuen Umgebung durch Angebote von Sprach- und Alphabetisierungskursen, durch Unterstützung und gegebenenfalls Begleitung bei Angelegenheiten, die mit den verschiedenen zuständigen Behörden zu regeln sind und vermittelt, wo nötig und möglich, rechtlichen Beistand. Sie bietet geeignete Angebote für die Freizeit an und leistet nach ihren Möglichkeiten Unterstützung bei medizinischen Problemen. Sie fördert, zum Beispiel durch Veranstaltungen wie der „Offenen Tür“, den Kontakt von Flüchtlingen mit Einheimischen, aber auch den Kontakt der Flüchtlinge untereinander. Ziel aller Aktivitäten ist Hilfe zur Selbsthilfe. Das setzt voraus, dass die Flüchtlinge motiviert sind eigene Initiative zu ergreifen und notwendige Regeln des Zusammenlebens und die Gesetze ihres Gastlandes zu akzeptieren.

Inzwischen haben sich die Aktivitäten der Initiative um ein zusätzliches Aufgabenfeld erweitert durch Hilfe und Unterstützung bei dem Weg in die Integration. Bei den bereits länger in den Unterkünften lebenden Flüchtlingen begleiten und unterstützen die Initiative bzw. einzelne ihrer Mitglieder durch Beratung und, wo nötig, Begleitung beim Zugang zu offiziellen Sprachkursen, bei der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen und einer eigenen Wohnung. Diese Begleitung kann auch in Form einer Patenschaft erfolgen, die einzelne Mitglieder der Initiative übernehmen. Ein entsprechendes Konzept ist in der Entwicklung und wird derzeit erprobt. Auch hier ist die Voraussetzung eine aktive Mitwirkung der Betroffenen.

Die Initiative arbeitet bei der Verfolgung ihrer Aufgaben mit den zuständigen Behörden und Dienststellen zusammen, sie steht in regelmäßigem Kontakt mit den verantwortlichen Sozialarbeitern und den Betreibern der Einrichtungen. Die Mitglieder der Initiative behandeln sensible Informationen vertraulich.

Zur Erfüllung ihrer Aufgaben gibt sich die Initiative eine Organisationsstruktur, die kurze Wege, schnelle Entscheidungen und eine möglichst unaufwändige Kommunikation begünstigt. Die Alltagsarbeit wird dezentral in dafür gebildeten Arbeitsgruppen geplant und geleistet. Eine der Arbeitsgruppen ist für die notwendige Koordination, für übergreifende Organisationsaufgaben und für die Außenkommunikation zuständig. Die Arbeitsgruppen organisieren sich eigenständig, Entscheidungen, die die bei ihnen angesiedelten Aufgaben betreffen, liegen in ihrer Hand. Über notwendige Ausgaben können die KoordinatorInnen in Abstimmung mit der Spenden-AG in einem festgelegten Rahmen selbständig verfügen. Die Arbeitsgruppen bestimmen aus ihren Reihen jeweils KoordinatorIn/Innen, der/die ihre Belange innerhalb der Initiative vertritt.

Die KoordinatorInnen kommen regelmäßig und möglichst einmal im Monat zu einem gemeinsamen Treffen zusammen. Dort findet ein Austausch über für die gesamte Initiative wichtige Aktivitäten, Probleme und neue Projekte statt. Größere Ausgaben werden in dieser Runde besprochen und mit Mehrheitsvotum genehmigt. Entscheidungen fallen mehrheitlich.

(Willkommen in Brück / Dezember 2015)