Grundsatzpapier: Ziele und Grundlagen unserer Arbeit

Warum ?

In der Initiative „Willkommen in Brück“ haben sich Anfang 2015 Menschen aus Köln-Brück, Neubrück und anderen Stadtteilen zusammen gefunden. Sie engagieren sich freiwillig und ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Alle Mitglieder haben die gleichen Rechte. Für die Mitarbeit gibt es keine besonderen Bedingungen oder Voraussetzungen außer der Bereitschaft, Zeit für die verschiedenen Aufgaben mitzubringen, die von der Initiative wahrgenommen werden. Die Mitarbeit kann ohne Angabe von Gründen beendet werden.

Die Initiative „Willkommen in Brück“ ist weder an Parteien noch an Verbände gebunden. Sie arbeitet unabhängig. Ihre Mitglieder sehen die großen gesellschaftspolitischen Herausforderungen, die sich aus dem Zuzug einer großen Zahl von Flüchtlingen nach Deutschland ergeben. Sie sind besorgt über das teilweise Versagen von Politik und Verwaltungen und den schwindenden gesellschaftlichen Konsens, Schutzbedürftigen Hilfe zuteilwerden zu lassen. Sie wollen mit ihrem bürgerschaftlichen Engagement ein positives Signal setzen. Sie sind sich darin einig, dass Menschenwürde unantastbar ist und ihr Schutz im Alltag beginnt.

Die Initiative „Willkommen in Brück“ hat sich deshalb zum Ziel gesetzt, entsprechend ihren Möglichkeiten Flüchtlinge in den Stadtteilen Brück/Neubrück  zu unterstützen und zu begleiten. Sie übernimmt dabei auch Aufgaben, die aufgrund mangelhafter personeller Ausstattung von den zuständigen Stellen der Stadtverwaltung nicht oder nur teilweise wahrgenommen werden.

Die Initiative setzt sich dafür ein, ein offenes und konstruktives Klima des gegenseitigen Respekts zwischen alten und neuen Bürgern in den Stadtteilen zu erhalten und zu fördern. Sie arbeitet bei der Verfolgung ihrer Ziele mit anderen Initiativen in der Stadt zusammen und beteiligt sich, soweit für ihre Arbeit zweckmäßig, an Netzwerken, die dem Ziel der Flüchtlingshilfe dienen. Sie begibt sich auch in einen kritischen Dialog mit Politik und Verwaltung.

Für wen?

Derzeit arbeitet die Initiative mit drei Flüchtlingsunterkünften in Köln-Brück und Neubrück zusammen. In der Unterkunft an der Broichstraße leben ca. 150 allein reisende Männer. Zuständig für die sozialarbeiterische Betreuung ist die Stadt Köln.

Eine zweite Unterkunft am Rather-Kirchweg hat Platz für elf Familien, hier wohnen ca. siebzig Menschen. Träger der Einrichtung ist die Caritas. Sie ist ebenfalls zuständig für die Familien-Unterkunft am Neubrücker Ring, wo seit kurzem ca. 150 Menschen wohnen, davon rund neunzig Kinder.

Es findet in allen drei Einrichtungen eine intensive Zusammenarbeit mit den jeweils Verantwortlichen statt.

Wie fing es an?

Im Mittelpunkt der Arbeit von „Willkommen in Brück“ standen anfangs Aktivitäten, die ankommenden Flüchtlingen den Start an ihrem neuen Aufenthaltsort erleichtern sollten: Durch Beratung in Alltagsfragen, Unterstützung bei der Beschaffung  wichtiger Ausstattung des täglichen Bedarfs, durch die Vermittlung von bei uns geltenden Regeln des Zusammenlebens, erste Angebote von Sprach- und Alphabetisierungskursen, Unterstützung und gegebenenfalls Begleitung bei Behörden-Angelegenheiten und geeignete Angebote für die Freizeit.

Ziel aller Aktivitäten ist Hilfe zur Selbsthilfe. Das setzt voraus, dass die Flüchtlinge motiviert sind, selbst Initiative zu ergreifen und notwendige Regeln des Zusammenlebens und die Gesetze ihres Gastlandes zu akzeptieren.

Und heute?

Inzwischen haben sich die Schwerpunkte der Aktivitäten verändert. Viele Flüchtlinge sind schon länger in unseren Vierteln oder kommen aus anderen Unterkünften zu uns. Mittlerweile geht es vorrangig um Hilfe und Unterstützung bei ihrem Weg in die Integration. Dabei geht es zum Beispiel um Zugang zu offiziellen Sprachkursen, gegebenenfalls Nachhilfe oder Prüfungsvorbereitung, Hilfe bei der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen und einer eigenen Wohnung sowie die Unterstützung bei Behörden-Angelegenheiten. Bei den Kindern helfen wir, wo nötig, bei den Hausaufgaben und machen Spielangebote. Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit ist die aktive Mitwirkung der Betroffenen. Darauf legen wir großen Wert. Ein wichtiges Feld ist der Kontakt zu Einheimischen – hier ist noch Luft nach oben, vor allem, weil es an geeigneten Treffpunkten fehlt. Brück hat kein Bürgerzentrum, die wenigen vorhandenen Säle werden stark durch die verschiedenen Vereine und Gruppen vor Ort genutzt.

Die Initiative arbeitet bei der Verfolgung ihrer Aufgaben mit den zuständigen Behörden und Dienststellen zusammen, sie steht in regelmäßigem Kontakt mit den verantwortlichen Sozialarbeitern und den Betreibern der Einrichtungen. Die Mitglieder der Initiative behandeln sensible Informationen vertraulich.

Wie?

Zur Erfüllung ihrer Aufgaben hat sich die Initiative eine Organisationsstruktur gegeben, die kurze Wege, schnelle Entscheidungen und eine möglichst unaufwändige Kommunikation begünstigt. Die Alltagsarbeit wird dezentral in dafür gebildeten Arbeitsgruppen geplant und geleistet. Eine der Arbeitsgruppen ist für die notwendige Koordination, für übergreifende Organisationsaufgaben und für die Außenkommunikation zuständig. Die Arbeitsgruppen organisieren sich eigenständig, Entscheidungen, die die bei ihnen angesiedelten Aufgaben betreffen, liegen in ihrer Hand.

Die KoordinatorInnen der Arbeitsgruppen kommen regelmäßig und möglichst einmal im Monat zu einem gemeinsamen Treffen zusammen. Dort findet ein Austausch über für die gesamte Initiative wichtige Aktivitäten, Probleme und neue Projekte statt. Größere Ausgaben werden in dieser Runde besprochen und mit Mehrheitsvotum genehmigt. Entscheidungen fallen mehrheitlich.

Interessiert?

Jede helfende Hand ist uns willkommen. Auch wer nur eine oder wenige Stunden in der Woche zu verschenken hat, kann einen wertvollen Beitrag leisten. Was zu tun ist, darüber reden wir gerne mit Dir, mit Ihnen. Kontakt: Mail an willkommen-in-brueck@posteo.de oder Nachricht per Facebook. Wir melden uns.

(Willkommen in Brück / Dezember 2017)